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Montag, 23. Juli 2001

Eine Musik, so leicht und so locker

Collegium canticorum im Musenhof Poppendorf mit viel Beifall für Auftritt belohnt

Das sind die kleinen Pretiosen im Geschmeide der musikalischen Festivals: solche kleinen Konzerte wie der Auftritt des Collegium canticorum im Musenhof Poppendorf im Rahmen des Musiksommers Mecklenburg-Vorpommern am Sonnabend - ohne die Suggestion des Starkultes, ohne die Blendung der Bedeutsamkeit, dafür mit intimer Intensität und dennoch nicht ohne Gewicht: leicht und locker, ohne deshalb nur auf den Wellen bloß entlastender Unterhaltung zu schwimmen.

Das Collegium canticorum ist ein Doppelquartett, 1988 in Leipzig gebildet, das den kunstvollen mehrstimmigen A-Capella-Gesang pflegt. Aber eigentlich ist es ein kleiner und guter Kammerchor. Die Stimmen nicht auf solistischen Hochglanz getrimmt, sondern in ihrer Natürlichkeit belassen; nicht für die hervortretende Vereinzelung geschult, sondern, im Timbre genau abgestimmt, für den gemeinschaftlichen Zusammenklang und dennoch jede unterscheidbar; die Stimme nicht als hochgezüchtetes Instrument, sondern als Organ der Person - und stets offenbart sich so die naturhafte Verwandtschaft des Singens mit dem Reden.

Es ist, als machten sie keine Kunst, sondern hätten sie einfach. Und mit dieser wohltuenden Musizierhaltung, in der musikalisches Können nicht vorgeführt wird, sonder einfach da ist, bot das Collegium ein Programm von ganz ähnlicher Geisteshaltung: Einen geschickt komponierten Querschnitt durch das gesellige Singen des 16. Jahrhunderts in seinen verschiedenen Facetten, durch die Kunst des italienischen und englischen Madrigals und seines französischen Pendants, des Chansons, kombiniert mit einigen Werken des 20. Jahrhunderts, die sich überraschend mit der musikalischen Kultur der Renaissance verbanden.

Da gab es die Großmeister, den Engländer Weelkes, den Italiener Monteverdi, den Franzosen Janequin oder Béla Bartók; da gab es aus dem Kranz der Schüler des großen Venezianers Gabrieli die Dänen Hans Nielsen und Morgens Pedersön und die Deutschen Johann Grabbe und Heinrich Schütz. Und, als Dreingabe aus dem 20. Jahrhundert, drei Sprachklangspiele von Jens Marggraf, einem Sänger des Chores.

Und dies alles vorgetragen in gleichsam kollektiver Virtuosität, mit einer unangestrengten Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit, so dass man glauben wollte, man könne einfach mitsingen (was wohl schief gegangen wäre). Heinz-Jürgen Staszak